Jemand
aus dem Umfeld der Band versuchte es so zu beschreiben: „Ihr spielt doch Kammerpop.“ So schnell lässt sich Violonist Igor Mazritsky
aber nicht in eine Schublade stecken. „Unsere Musik ist mehr“, sagt der Ukrainer. Der 42-Jährige arrangiert die Stücke für Queryal.
Sein musikalischer Hintergrund reicht bis in den Nahen Osten. Er lebte in Jerusalem, entdeckte dort seine Liebe zu jüdischen Melodien
und trat später in Deutschland mit einer Klezmer-Gruppe auf.
Frontfrau und Sängerin Kirsty Werheit schreibt die Songtexte. Oft entstehen
sie aus Gedichten, die die Radio-Journalistin verfasst. Im Song „Grünes Kleid“ heißt es: „Ich tauche in die Leere deines Blicks, Du
verschwindest, ich kann nicht folgen.“ Persönliche Erlebnisse, wie die Angst vor Verlust, spiegelten sich in den Texten, sagt Werheit.
Durch die Band habe sie zu ihrem Stil gefunden. „Vorher habe ich imitiert, jetzt spiele ich mit meiner Stimme.“ Sie gurrt, sie nöhlt,
sie zwitschert, sie spricht zur Musik. Im Stück „Suche“ bildet ihre feste, klare Stimme einen Kontrast zum Text: „Wir sehen nicht
mehr als ein Fragment, es zittert, verschwindet.“ Der Song ist auf den Bandnamen zugeschnitten: Die Suche, im Englischen „query“,
sei ein Grundprinzip, so Werheit.
Auf musikalischer Entdeckungsreise ist auch Cellistin Katharina Lehmann. Seit 13 Jahren spielt sie
ihr Instrument. „Ich finde bei Queryal viel Leichtigkeit“, sagt sie. Und das, obwohl die zierliche Brünette jedes Mal ein Cello auf
dem Rücken zu den Proben schleppt. Das schwere Instrument liegt bei den Proben fest an ihrer Schulter. Fast immer antwortet es gemächlich
dem süßlichen Locken der Violine. Den eigenen Klanghorizont erweitert die 29-Jährige neben Queryal noch durch ihre Arbeit als Musikpädagogin
und im Kunstsalon, einem Orchester, in dem auch „Klaus der Geiger“ mitspielt.
Die Pianistin Natalia Khabibulina entdeckt sich in der
Zusammenarbeit mit der Band immer wieder neu. Die 37-jährige Ukrainerin arbeitet als Klavierlehrerin und genießt es, bei Queryal ausgiebig
die Finger tanzen zu lassen. Bassist Markus Hernold macht die Truppe perfekt. Der 33-Jährige spielte als Teenie in der Dorfkapelle
seines Heimatortes die Posaune, bis er irgendwann auf den Bass kam. Die Band fand er durch Kirsty Werheit. Die beiden spielten vorher
zusammen Skat.
„Die Berührungspunkte bestehen darin, dass wir keinen engen Horizont haben“, sagt Hernold. Seit Herbst 2008 trafen sich
die Musiker zu regelmäßigen Proben in Wehrheits Wohnzimmer, später dann in der Alten Feuerwache. „In der jetzigen Zusammenstellung
groovt es“, sagt Werheit. „Wir sind kreativer als vorher.“ Die Arbeit an den Stücken geht in jeder Probe weiter. Werheit nennt das
„Work in progess“. Und da die fünf allesamt Perfektionisten sind, fliegen da auch schon mal die Fetzen.
Mittlerweile füllen die Musiker
mit 15 Songs einen ganzen Konzertabend. Zuletzt durften Musik-Freunde im Siegburger Pumpwerk in die Klangwelt von Queryal eintauchen.
„Ein bisschen Calexico“, raunte es bei dem Stück „Resting Place“. Das Bild von Männern mit Maschinenpistolen in Gitarrenkoffern drängte
sich auf, als die düsteren Zeilen aus „Turning Point“ erklangen: „Das Leben ist ein Test, leider hast Du versagt . . .“ In „Bitter
& Sweet“ bettelt Sängerin Werheit mit tiefer Stimme um einen neuen Drink.
Nach dem Auftritt tauschten sich ältere und jüngere Besucher
über das Konzert aus. „Eine wilde Mischung“ - fanden die einen. „Eingängig“ - sagten die anderen. Und für die Bandmitglieder hat auch
dieses Konzert bestätigt, „dass unsere Musik viel Charme hat“, wie Lehmann es ausdrückt. Und „so reif, wie die Stücke gerade sind“,
soll endlich eine CD eingespielt werden. Es sei an der Zeit, finden die fünf, dass noch weit mehr Menschen von Queryal erfahren.
SIEGBURG - „Alles, was zählt, ist der Augenblick.“ Sängerin Kirsty Werheit fasste die Stimmung der zeitlos-schönen
Lieder ihres Ensembles Queryal in treffende Worte. „The Four Seasons of Love“, so der Titel des Konzerts. Das Kölner Quintett bezeichnet
seine Musik als „Kammerpop“, als Mischung aus Klassik, Romantik, Jazz, Soul, Chanson und sogar Americana. Die vier Jahreszeiten der
Liebe begannen allerdings mit dem Sommer: Wie eine erfrischende Brise kam „Grünes Kleid“ daher - ein Song, so sanft und weich, dass
man sich damit zudecken möchte.
Eine weite Wüstenlandschaft, eine einsame Bar, irgendwo an der Grenze zu Mexiko, das war „Resting Place“.
Chanson-Elemente trafen auf leicht nervöse Geigenklänge, die Komponist und Violinist Igor Mazritsky in die düstere Melodie einfließen
ließ. Voller Melancholie begab sich Werheit auf die Suche nach einer Stätte der Ruhe. Ihre Alt-Stimme erinnerte durchaus die der amerikanischen
„Alternative Country“-Sängerin Carla Torgerson von den Walkabouts. Ein „Walkabout“ ist ein Ritus junger australischer Ureinwohner,
der Aborigines: Wandernd suchen sie nach der Wirklichkeit der Natur, die sie aus Liedern kennen.
So glich auch das Konzert einer Wanderung
durch weite Landschaften, hinter deren Horizont sich faszinierende Blicke auftun. Auf den Sommer folgte der Herbst und mit ihm der
Song „Over“. Werheit sang mal gehaucht, mal voller Bestimmtheit über eine sterbende Liebe. Dann kam der Herbst beschwingt und rhythmisch
daher. „Die Einsamkeit hat uns eingeholt und eine durchsichtige Wand zwischen uns errichtet“, kündigte Werheit den Winter an. „Winter
Love“ war schwermütig, durchzogen von tiefen Celloklängen, das darauf folgende „Bitter Sweet mit seiner coolen Bar-Jazz Atmosphäre
spannungsvoll, geradezu nüchtern. Der Winter, so schien es, fror die drückende Hitze des Sommers kurzfristig ein.
Dann begann der Frühling.
Kraftvoll wie ein Setzling, der sich seinen Weg durch die warme Erde bahnt, war das Instrumentalstück „Tango“ - Mazritskys feuriges
Geigenspiel wurde von E-Klavier, Bass und Cello dramatisch begleitet. Das intensive Spiel der Musiker ging oft unter die Haut, obwohl
selbst die melancholischsten Werke eine Leichtigkeit besaßen, die zum entspannten Zuhören aufforderte. Die Kraft des Ensembles lag
in seiner Ruhe.